Nachdem ich im Beitrag Machen Sie das Logo größer auf den starken Einfluss des Kunden auf das Gesamtergebnis einer Agenturleistung hingewiesen habe, kamen einige Vorschläge zu den „Top 10“ der Kundenwünsche von Eurer Seite. Hier kommt nun die aufgearbeitete Version, vermischt mit einigen meiner Erfahrungen.
1. Das Logo ist zu klein!
„Huch, mein/unser Unternehmen kommt zu kurz oder wird zu klein dargestellt.“
Das scheint wirklich der oberste Kundenwunsch zu sein. Ein kleines Logo lässt auch die Firma „klein“ wirken – so sehen das die meisten Kunden. Für ein zu klein geratenes Logo gibt es ästhetische und technische Gründe. Hinsichtlich der Ästhetik muss man sich als Gestalter fragen, ob man das Logo nicht unterbewusst runterskaliert hat, weil es einfach schäbig aussieht – man versucht es zu „verstecken“ und in ein aktuell wirkendes Layout zu „pressen“. In diesem Fall empfiehlt es sich das Logo zu vergrößern und das Layout darauf abzustimmen. Auf keinen Fall einfach vergrößern und abschicken, nach dem Motto „Gucken Sie mal wie schlimm das aussieht“ – das löst oft eine Trotzreaktion aus und man hat die Abnahme für den Griff ins Klo postwendend auf dem Tisch liegen… Wenn das Logo eigentlich ausreichend groß ist und der Kunde immer noch unzufrieden ist, hat man einfach einen Menschen mit einem anderen Sinn für Ästhetik vor sich – da hilft eigentlich nichts. Hier sollte jeder für sich selbst entscheiden wie er vorgeht. Ich bin immer ein Freund davon mit sinnvollen Argumenten – auf das jeweilige Medium bezogen – den Kunden vor einem Designschaden zu bewahren (“Wenn wir das Logo so groß machen, müssen wir das Menü erweitern, dadurch haben wir im Content-Bereich 50px weniger Platz und können die Vorschau auf Ihre Diagramme nur noch 380px groß machen.“).
2. „Da muss ich erst meine Frau/meinen Mann fragen.“
„Ich bin unsicher und Ihre Meinung reicht mir nicht.“
Diese Kandidaten sind entweder unsicher und brauchen die helfende Hand Ihres Partners – wie wahrscheinlich in jeder Lebenslage – oder suchen eine Möglichkeit sich Zeit zu verschaffen, um eine Nacht über die Sache zu schlafen und dann am nächsten Tag die gefestigte Meinung zu präsentieren. Dann bietet sich natürlich an, eine Ablehnung des Designs auf den Partner zu schieben („Meiner Frau hat das nicht gefallen. Können Sie das Logo größer machen?“).
3. „Wir haben/ich habe das in PowerPoint/Word mal entworfen. Bitte so.“
„Wir kennen die Anforderungen an das Layout. Sie machen das nur schöner!“
Das ist ein ganz undankbarer Fall für beide Seiten. Der Kunde investiert viel Arbeit in ein Layout und macht sich Gedanken über die Platzierung der Informationen. Der Gestalter setzt diesen – meist total verkorksten und unsinnigen – Vorschlag um, und ist gezwungen einen weiteren, sinnvollen Vorschlag zu gestalten, der das Projekt letztendlich rettet. Setzt man den Kundenwunsch nicht um, gibt es Ärger. Diskutiert man im Vorfeld, ärgert sich der Kunde über den frechen Designer, der seine Leistung anzweifelt. Eine echte Zwickmühle.
4. „Deadline ist Morgen, 15:00 Uhr… – Hallo?! Sind Sie noch dran?“
„Wir haben das letzte halbe Jahr geschlafen – Sie müssen uns helfen.“
Kommt immer wieder vor. Ein ganz nachvollziehbarer Fall, denn fast überall werden wichtige Entscheidungen zu lange hinausgezögert. Manchmal haben Verantwortliche auch schlicht und einfach ein Detail vergessen, wie etwa eine Messe-Show für den zweiten Monitor auf dem Messestand oder eine CD-ROM als Give-away. Das sind eigentlich die Fälle, bei denen man sich noch fühlen darf wie MacGyver und in wenigen Nachtschichten Großes „zaubern“ kann. Ich bin immer wieder erstaunt über den Output solcher Aktionen.
5. Zu viele Informationen/Text für das Medium – Thema Whitespace
„Inhalte verknappen ist doch nix – epische Breite rules…“
Viele Entscheider können Inhalte nicht verknappen. Wenn gescheite Texter oder Erfahrungswerte fehlen ist es sehr schwierig die Kernaussagen auf das Wesentliche zu reduzieren. Da muss die Agentur schnell für eine ordentliche Lösung sorgen, meine ich – Texter anrufen, Gegenvorschlag anfertigen, präsentieren. Done. Wenn der Kunde dann immer noch beratungsresistent auf dem Roman im Anzeigenblatt beharrt – machen.
6. Lassen Sie es aussehen wie …
„Der Firma XY geht es gut. Knüpfen wir an dieses Erfolgskonzept werblicher Evolution an.“
Inspiration: Ja. Abkupfern: Nein. Diese klare Position finde ich extrem wichtig. Man sollte dem Kunden aber auch vermitteln können, dass es durchaus sinnvoll sein kann – ja sogar essentiell ist – sich innerhalb einer Branche von der Konkurrenz klar abzuheben. „Und wenn alle Ihre Konkurrenten von der Brücke springen … springen Sie dann auch?“ – „Nee, dann verkoof ick allet und fahr‘ of die Bahamas.“
7. Wir kaufen keine Schriftart. Nehmen Sie einfach die Arial (ComicSans, Verdana, Tahoma).
„Dafür haben wir kein Geld. Liefern Sie uns Lösungen, keine Probleme.“
Es kann durchaus Sinn machen gemeinsame Nenner zu finden und darauf ein Corporate Design aufzubauen – gerade bei kleinen Unternehmen, die im Guerilla-Stil über den Globus verteilt sind. Auch ich habe die Arial in einem Styleguide eingesetzt – zwar nur als Fallback von der Helvetica Neue – trotzdem fester Bestandteil, gerade in PowerPoint-Präsentationen, etc.. Und nein, ich bereue nichts.
8. Wir möchten alle Inhalte selbst einpflegen!
„Mein Neffe ist da pfiffig.“
Das wird in jedem CMS besonders dann lustig, wenn auch noch auf die entsprechende Schulung verzichtet wird. Was der unsachgemäße Einsatz des RichTextEditors verursachen kann ist dann nichts im Vergleich zu einem Kunden der Admin spielt und die Hintergrundfarbe von #ffcc00 auf #fcff00 ändert …
9. Bitte mehr Farbe. Bitte diese Farbe.
„Meinen Sie das etwa ernst mit den Schwarzweiß-Bildern?“
Auch immer wieder gerne: Farbvorschläge. Hatte ich so schon mal mit einer Kundin. „Bitte Rot. Bitte mehr Rot.“ – am Ende: „Das ist mir zu Rot. Warum haben Sie das so Rot gemacht.“. Ich bin trotzdem der Meinung, dass man auf den Wunsch zu „mehr Farbe“ immer eingehen sollte.
10. Vom Styleguide abweichen.
„Das Logo bitte links unten wie im Styleguide“ – Der Styleguide sagt aber: rechts oben. – „Ihnen fällt da schon was ein.“
Ob man von Design Guidelines abweicht, sollte man immer im Einzelfall entscheiden. Manche Kunden geben nichts auf Corporate Design – der Zweck heiligt die Mittel. Von dieser Kundengruppe wird erfahrungsgemäß auch gerne mal das rotierende @-Zeichen angefragt.
Ich freue mich auf weitere Anregungen zum Thema und Ich wünsche Euch allen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2008!
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