Mittwoch

28.

März 2007

Tipps für den (besseren) Umgang mit Druckereien

Wo liegen eigentlich die Hauptpunkte im Ärger mit einer Druckerei? Warum funktionieren oft die einfachsten Dinge nicht? Und: Ist die teurere Druckerei wirklich die Bessere?

Aufgrund eines ganz aktuellen Problems möchte ich hier mal (aus meiner Sicht) nützliche Tipps im Umgang mit Druckereien geben. Ich habe das nun Folgende innerhalb der letzten Jahre gelernt, merke aber immer wieder, dass man vor einigen Dingen nie ganz gefeit ist. Die Schuldfrage ist immer entscheidend, wenn ein Auftrag in die Hose geht: Hat der Grafiker/die Agentur Mist gebaut oder die Druckerei?

Die Druckerei.

Um zu verstehen an welchen Stellen man als Grafiker wachsam sein muss, gilt es zunächst einmal die Abläufe in einer Druckerei genauer zu verstehen. Der Prozess ist ganz ähnlich wie in einer Agentur: An der Spitze sitzt einer der was zu sagen hat (aber sonst nur repräsentative Funktionen ausübt). Darunter sind Projektleiter angesiedelt, die einen ganzen Vorgang überwachen und für die Kommunikation mit Kunden zuständig sind. Das sind also die, die jeder Grafiker immer zuerst anmotzt. Die eigentlichen Arbeiten erledigen (wie in Agenturen auch) mehr oder weniger gelernte/junge/talentierte Arbeitsbienen, die mit dem Kunden nie etwas zu tun hatten und brav Ihren Job in der gewohnten Qualität (gähn) ausüben, ohne groß darüber nachzudenken. Man ist ja nicht zum Denken hier (wie in Agenturen (meist leider) auch).

Wer mit wem?

Die erste Schwachstelle im System ist der lange Kommunikationspfad – vom Kundenwunsch zur Auslieferung der Drucksache. Der Kunde erzählt es dem Chef der Agentur. Der delegiert wegen einem wichtigen Geschäftsessen in Eckenförde die ganze Sache – an den Projektleiter, welcher, gefangen in einer Online-Sudoku-Weltmeisterschaft, alle verfügbaren Arbeitsbienen motiviert sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Dann gehen die Druckdaten meist von der verschlafenen Agentur-Arbeitsbiene an den PL der Druckerei. Der letzte im Bunde ist der Mann an der Heidelberger, welcher die Drucksachen raushaut und schaut, dass er noch zeitig zur Familie kommt. Ist ja schon halb vier wieder.

In der Regel sind also sieben Menschen notwendig, die Hand in Hand arbeiten müssen, kommunizieren müssen, damit eine Drucksache fehlerfrei ausgeliefert wird. Wie kann ich als PL/Grafiker/Arbeitsbiene sicher sein, dass der Auftrag sicher rausgeht (denn nur darum geht es) oder ich zumindest nicht der Schuldige bin, wenn etwas wider Erwarten schief läuft (denn darum geht es auch)?

Nun ist es sehr lästig die Druckerei auf Schritt und Tritt zu überwachen – dafür fehlt auch klar die Zeit. Es gibt aber Punkte, die man penibel einhalten kann, um den grössten Ärger zu vermeiden.

Klare Regeln.

1. Sicherstellen, dass alle Kundenwünsche bedacht wurden. Bevor etwas an die Druckerei geht, muss der Kunde sein absolutes Okay gegeben haben. Per E-Mail reicht das in der Regel vollkommen aus – Hauptsache schriftlich. Das Angebot hat der Kunde unterschrieben, den Auftrag bestätigt und die Druckfreigabe erteilt. Sind die Farben wie im Styleguide angelegt? Hat der Kunde alles so gesehen wie es später aussehen wird? Sind alle Farben richtig umgerechnet worden? Auch für dieses spezielle Papier? Vorher verlässt kein PDF das Haus!

2. Sicherstellen, dass der genaue Ablauf mit dem PL der Druckerei schriftlich festgehalten wird. Auf welchem Papier/Grammatur wird was in welcher Auflage mit welchen Farben und in welchem Verfahren gedruckt? Wie wird was wann ausgeliefert? Wann sind die verbindlichen Andrucktermine? Auch hier sollte eine E-Mail-Dokumentation lückenlos stattfinden. Und: Vergiss Deinen Stolz! Stelle jede noch so dumme Frage, wenn Dir etwas unklar ist!

3. Gehe immer zum Andruck. Nimm einen Fadenzähler mit und kontrolliere die Rasterung. Nimm den finalen Musterbogen immer mit. Sage nie „vielleicht“, um nett zu sein. Bestehe immer auf Deinem Wunsch eine Sache umzusetzen. Lass Dir nie einreden, dass etwas nicht geht – irgendwas geht immer mit etwas mehr Einsatz! Gib Dich erst zufrieden, wenn Du zufrieden bist. Es ist Dein Kunde, der Dir vertraut! Bei großen Projekten kann es durchaus Sinn machen den Kunden direkt mitzunehmen. Aber Vorsicht: Diese Druckerei wird zu Deinem Aushängeschild, wenn Du sie ausgewählt hast!

4. Bevor die Sache zum Kunden geht musst Du das Material sichten. Das ist die wohl schwerste Hürde, denn man gewöhnt sich daran, dass dies in der Regel locker-flockig von der Druckerei richtig gemacht wird. Richtig. Locker-flockig nämlich! Immer nochmals drüber schauen und erst anliefern lassen, wenn alles absolut top ist! Top heißt: Richtig gedruckt, richtig konfektioniert (z.B. Zwischenblätter bei Material mit Abrieb), richtig verpackt (z.B. mit Schaumstoff bei sensiblem Material), richtig transportiert (z.B. nicht in einem Transportfahrzeug das vorher stinkigen Abfall geladen hatte).

Das ist genau der Punkt, den ich bisher nicht eingesehen habe. Er ist allerdings notwendig. Warum?

Geiz ist … notwendig.

Die ganze Zeit habe ich geschrieben „wie in einer Agentur“ – das ist der Punkt. Die Geiz-ist-geil-Mentalität zwingt nicht nur die Agenturen, sondern auch die Druckereien zu Sparmaßnahmen. Ungelernte Hilfskräfte drucken mit alten Maschinen auf billigem Papier – oftmals bis in die Nacht. Kommt einem bekannt vor, oder? Wer so arbeitet macht Fehler – egal ob in Agentur oder Druckerei. Fast alle arbeiten heute so oder ähnlich. Ganz großer Mist ist das. Ehrlich.

Ich habe bisher fast immer darauf geachtet mit wem ich es zu tun habe – nicht wer der Billigste ist. Das Problem: Viele Kunden sind nicht mehr bereit einen höheren Druckpreis zu zahlen, d.h. man muss mit der Zeit gehen und den Druck auch mal billig-billig machen – sonst Kunde weg, Umsatz weg, Konto leer, Finanzamt vor der Tür.

Ob teurere Druckereien besser arbeiten vermag ich nicht zu sagen. Meine Erfahrung ist, dass jede Druckerei Fehler macht, jeder Grafiker Fehler macht, jeder Mensch Fehler macht, wenn er nur lang genug arbeitet. Bei sehr billigen Druckereien gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder sind sie sehr spezialisiert und dann auch meist sehr gut, oder die Arbeitskräfte werden nicht gerade geschont, geschult oder gescheit bezahlt. Hier sind dann sicher auch vermehrt Fehler zu erwarten. Daher sind klare Regeln, wie die gerade genannten, notwendig.

Wenn doch Fehler auftreten.

Die Frage ist wie man damit umgeht – gerne schiebt man sich gegenseitig den schwarzen Peter in die Schuhe. Das ist in meinen Augen ganz falsch. Größe bedeutet: Fehler zugeben und nicht nach oben kriechen und nach unten schlagen. Wenn ich einen Fehler begehe, muss ich in der Lage sein das auch finanziell aufzufangen. Meist hilft nur die lückenlose Dokumentation um festzustellen wer was falsch gemacht hat. Wichtig ist, dass man lernt aufeinander zu hören, sich lieber zehn Mal mehr zu melden als ein Mal zu wenig und: Fairness.

Falls man den Druckpreis wie oft üblich mit ein paar Prozent Aufschlag durchgereicht hat, ist man auch verantwortlich und haftet gegenüber dem Kunden. Die Druckerei muss man dann selber in die Zange nehmen und hoffen, dass alles reibungslos über die Bühne geht. Gerade deshalb ist die Wahl der „richtigen“ Druckerei so wichtig. Ich fahre inzwischen mehr als eine halbe Stunde und ärgere mich trotzdem dann und wann.

Fazit.

Wer das beherzigt, sollte mit der Druckerei seines Vertrauens in Zukunft weniger Probleme haben. Ich hatte jetzt ein paar – Drucksachen wurden anders konfektioniert und ausgeliefert als besprochen/bestellt. Nicht mein Verschulden aber sehr ärgerlich. Frust. Da ich die ganze Angelegenheit heute sowieso nicht mehr aus dem Kopf bekommen werde, wollte ich mein bescheidenes Wissen zum Thema zusammenfassen, zur Diskussion stellen und vielleicht sogar jemandem damit helfen.

PS: Diesen Artikel habe ich letzten Monat geschrieben und mich jetzt erst dazu durchgerungen ihn zu veröffentlichen.

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13 Kommentare zu „Tipps für den (besseren) Umgang mit Druckereien“

  1. Funbug

    > Diesen Artikel habe ich letzten Monat
    > geschrieben und mich jetzt erst dazu
    > durchgerungen ihn zu veröffentlichen.

    Und das war auch gut so. Ich konnte das noch nie verstehen was so schwer daran sein soll ein paar einfache Visitenkarten oder Briefpapier genau so zu drucken wie beim letzten Mal. Jedes Mal sieht da wieder was anders aus.

    Ich habe mit Druckereien auch schon so einiges erlebt und bin froh, dass das mittlerweile eine Kommunikationsdesignerin für uns übernimmt.

  2. luigi

    ich denke das du mit deinem fazit vollkommen recht hast. muss aber auch sagen das schon viel wissen dazu gehört ein perfektes druck-pdf zu erstellten. und wenn man hierbei mist baut steht man dazu, auch wenn dann mal eine auflage von 5.000 stück in die presse wandern und man hoffentlich das projekt nicht mit einem fetten minus abschließt. aber so eine fehler macht man sicher nur einmal und geld spart man durch nicht proofen auf keinen fall, auch wenn die kunden noch so gerne auf diesen kostenpunkt verzichten würden „wird schon alles stimmen – oder?“

  3. bernd

    noch ein nachtrag. bei wirklich grossen katalog-projekten sind wir mittlerweile dazu übergegangen uns ein klebemuster mit den fertig gedruckten seiten fertigen zu lassen. so konnten wir dann und wann schon richtig kostspielige fehler vor der konfektionierung erkennen und optimieren …

    sehr schöner artikel :wink:

    gruesse
    bernd

  4. bernd

    zum richtigen pdf. es gibt im distiller eine vorlage für das x3pdf. hier werden auch gleich sachen wie rgb-bilder geprüft. man hat also schon einen kleinen preflight drin.

    noch eine sache. was ich gelernt habe. wenn einem an der maschine etwas komisch vorkommt immer auf das bauchgefühl hören und ggf. optimieren. diese geschichten kommen nämlich in der regel nacher als reklamation auf einen zurück.

    gruesse
    bernd

  5. Marcel

    Toller Artikel. Ich habe auch schon öfters miterleben müssen, dass der Pantonefächer offenbar mehr über den Daumen angepeilt wird, und ein Visitenkartenformat um 2 mm verschnittten wurde, die Druckerei aber fand, das sei noch «in der Toleranz». Da heisst es dann hartnäckig sein, penetrant werden, und REDEN.

    Allerdings: Ich arbeite in einer Druckerei (Druckvorstufe). Wir haben schon 1,8 GB Daten bekommen für einen zweiseitigen Flyer, der A4 gross war. Ich habe etwa zwei Stunden verbraten, bis isch aus diesem Müll eine separierbare Datei gepuzzelt hatte. Das PDF, das bei uns dann ins Backup ging, hatte vielleicht noch 1 MB.
    Regelmässig bekommen wir von gestandenen Grafikern Daten, die keinen Beschnitt aufweisen, in deren PDFs die Fonts nicht eingebunden sind, offene XPress Daten ohne Ausdruck dazu, GIFs im Layout, falsch montierte «fertige» Druckbogen, mit Schreibfehlern gespickte Imagebroschüren, und, und, und.

    Da gibt es Grafiker, die man halt fünf Mal anrufen muss, um herauszufinden, wie der Druckjob weitergehen soll, ob Schreibfehler korrigiert und Separationen angepasst werden sollen. Und die dann sauer werden, weil sie offenbar keine Lust haben, sich mit der Druckerei und Ihrer eigenen Arbeit auseinanderzusetzen.

    Freundliche Grüsse
    Marcel

  6. johanna

    Was bei dem Thema auch extrem wichtig ist (Allgemeinplatz, aber oft denkt man im Stress nicht dran) – immer freundlich, aber bestimmt bleiben und sich auf keinen Fall in irgendeinen Kompromiss schieben lassen. Und wenn am Ende jemand heult.

    Und, wie Du sagst – es gibt keine dummen Fragen. Ich hab schon oft erlebt, dass sich ein ganzer Zirkel gestandener Artdirektoren Fragen zur Konfektion verkniffen hat, obwohl sie keinen Schimmer hatten… und im Endeffekt hat der Praktikant dann den Job gerettet, weil er die richtige Frage gestellt hat.

    Irgendwie ist das ganze Druck-Thema ein prima Bild für die Komplexität des Lebens, oder?

    Grüße,
    johanna

  7. Christina

    Ich muß mich dazu auch mal äußern: Ich leite eine Druckerei und finde es immer wieder interessant, wie Kunden die Zusammenarbeit beurteilen. Allerdings mache ich in den letzten Jahren immer wieder folgende oder ähnliche Erfahrungen: Ein Job wird angekündigt…mehrmals soll der Preis überdacht werden,es werden Fixtermine vereinbart und am Stichtag, wo die Daten eingehen sollen, bekomme ich den ersten Anruf, es fehlt noch ein Bild oder der Lektor konnte noch nicht die Freigabe geben. Verschoben um einen Tag…aber bitte, der Endtermin ist Fix….nächster Tag…den gesamten Tag erwarte ich Daten….und gegen 17:30 Uhr kommen sie tatsächlich an….klar…es wird davon ausgegangen, das wir diese Daten auf jeden Fall noch überprüfen..denn der Fixtermin steht….nächster Morgen….ich öffne meine e-mails und finde eine Bitte: Falzmarken wurden falsch gesetzt…ist doch kein Problem..dies schnell zu ändern, oder? Wie das kostet Geld…sind doch nur ein paar Klicks…ich informiere den Kunden über den Andrucktermin…der sich intern natürlich schon mehrmals nach hinten korregieren mußte…aber egal…andere Kunden mit Aufträgen haben wir ja nicht…doch der Andrucktermin
    19 Uhr ist nicht genehm..lieber nächsten Morgen…aber der Fixtermin muß gehalten werden… Endlich…es ist soweit…alles gedruckt…alle zufrieden….schnell noch verarbeiten…ihr wißt schon…Fixtermin….ach ja….könnten Ihr bitte die Flyer zu 100 bündeln? sieht doch schöner aus….aber schnell…..so…alles fertig….hübsch verpackt..tatsächlich noch zum Fixtermin….ein Anruf… vielen Dank wir lassen die Drucksachen dann morgen abholen..wie jetzt:…????….dann 8 Wochen später schreibe ich die erste Mahnung……
    Ich glaube ich brauch nicht zu erwähnen…wie ich mir manches Mal vorkomme :cry:

  8. Martin

    Ich denke auch, dass ich mich nochmal zum Thema äußern muss.

    Der Artikel sollte keinesfalls in irgendeiner Form Druckereien kritisieren. Ich wollte versuchen meine persönlichen Erfahrungen (die ich auf beiden Seiten sammeln konnte) zu einem nützlichen Ratgeber für Neulinge auf dem Gebiet zusammenzufassen.

    Wichtigste Voraussetzung für eine gute Kommunikation zwischen Agentur und Druckerei ist Verständnis für die jeweils andere Seite. Ich hoffe, dass das durchweg angekommen ist und vielleicht hier und da sogar etwas bewegt hat – und wenn es nur die Einsicht ist, dass man in der Druckerei kurz nachfragt, bevor man einem Kunden eine Leistung verspricht.

    Dies ist der erste Beitrag wegen dem ich am Telefon Rede und Antwort stehen musste – auch wenn die jeweiligen Gegenüber freundlich und zurückhaltend waren. Ich denke, wenn sich von täglich 2200 Besuchern (aktuelle Zahlen) zwei dazu verleiten lassen nicht nur einen Kommentar zu schreiben, sondern auch anzurufen, ist das Thema wirklich aktuell.

    Danke für Eure bisherigen Feedbacks (auch per E-Mail) – ich freue mich, dass dieser Artikel derart zur Diskussion anregt und hoffe, dass sich niemand persönlich angegriffen fühlt. ;)

  9. Danny

    Interessanter Artikel, Glückwunsch.
    Ich bin auch Mitarbeiter in einer Druckerei (Vorstufe) und muss Christina voll zustimmen. Wenn beide Parteien, Agentur und Druckerei, ihr Handwerk verstehen sollte es in der Regel keine größeren Komplikationen geben.

  10. Phillip

    Das Hauptproblem aus meiner Erfahrung besteht darin, daß die leidige Stolz-Problematik vor allem dem Kunden gegenüber besteht. Und der Kunde ist derjenige, der am ehesten Deine Sprache nicht spricht und hinterher frustriert ist, daß er nicht wusste, daß die Zweibruchkreuzfalz doch nicht das war was er wollte.

    Hier also Mut: Nachfragen, bohren, skizze machen.

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