Montag

7.

Juli 2008

Das kauf‘ ich Euch nicht ab!

Ein bekannter Elektronik-Fachhändler hat vor Kurzem eine reizvolle Kampagne mit 25 % auf einige Artikel gestartet. Grund genug für unsere Agentur, einige geplante Neuanschaffungen vorzuziehen und nach einiger Rechnerei ein paar der Angebote wahrzunehmen.

Unter Anderem war ein Canon EOS 5D-Kit (mit 24–70mm Objektiv) unter den Schnäppchen, das uns zusammen mit der Cashback-Aktion von Canon eine ordentliche Ersparnis bringt. Mein Kollege staunt allerdings nicht schlecht, als er in der Produktverpackung auch ein Reparaturschreiben von Canon entdeckt. Laut diesem Original-Schreiben vom 26.02.2008 gab es eine „Gewalteinwirkung auf den CMOS-Sensor“, so dass dieser getauscht werden musste – weitere Reparaturarbeiten wurden auch durchgeführt!

Canon Reparaturschreiben

Für uns ein klarer Fall: Dieser Body war beschädigt und geht zurück. Der Kollege ruft die Wuppertaler Filiale an, in der die EOS 5D erstanden wurde und schildert das Problem. Am anderen Ende stellt sich der Marktleiter zunächst dumm und besteht darauf, dass der Body von Canon so als „Neuware“ geliefert wurde (der Reparaturschein weist den Fachhändler jedoch als Auftraggeber der Reparatur aus…). Er bietet zwar Ersatz, jedoch kann er nicht zusichern, dass man auch den verloren gegangenen Cashback-Rabatt erstattet, denn eine neue Kamera kann er erst in einigen Wochen liefern, wenn die Cashback-Aktion bereits abgelaufen ist.

Mein Kollege ruft Canon an und schildert den Fall mit der Bitte Cashback auch für die Austauschkamera anzubieten. Stille am anderen Ende der Leitung, als er die Seriennummer nennt. „Öhm, … Cashback machen wir, aber … von diesen Body würde ich Ihnen – abraten …“, sagt der freundliche Canon-Mitarbeiter, „… er hat bereits 21.800 Auslösungen hinter sich!“.

Was genau mit diesem Body passiert ist und wessen Schuld es ist, dass dieses Gerät in den Handel gelangt ist, werden wir wohl nicht erfahren – es ist aber ein Armutszeugnis für einen renommierten Fachhändler, dass ein solches Gerät verkauft wird, denn rein optisch ist kein Mangel zu erkennen. Ersatz wird angeboten und es ist sicher ein Ausnahmefall, doch es bleibt der fade Beigeschmack, dass wahrscheinlich keiner etwas gemerkt hätte, wenn nicht das Reparaturschreiben in der Verpackung gewesen wäre…

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7 Kommentare zu „Das kauf‘ ich Euch nicht ab!“

  1. Philipp

    Sehr harter Tobak, bei einem solch hochpreisigen Gerät…

  2. pibo

    Ich kümmere mich um den gesamten Einkauf in unserer Agentur und habe ähnliche Dinge bereits öfter erlebt.

    In den letzten Monaten treten solche Fälle immer häufiger auf (wirklich auffällig häufig), dass gebrauchte Artikel unter den Deckmantel von „Aktionen“ oder „Sonderpreisen“ verkauft werden.
     – allzuoft haben wir mit diesem „günstigen Angeboten“ Ärger gehabt.

    Vor allem bei „Preissuchmaschinen“ fällt man oft auf diese Masche rein.

    Seitdem haben wir uns angewöhnt zu den gewöhnlichen Preisen zu kaufen. Hinzu kommt noch, das man als Unternehmen ohnehin schlechte Karten beim Umtausch bzw. der Rückerstattung hat.

    Ich könnte hier noch ewig weiterscheiben über Fälle bei dem sich euch wohl der Magen umdrehen würde.
     – Wirklich :)

  3. cicero

    äh, wen wundert denn das ? Wer ernsthaft glaubt eine der großen Elektronikketten wäre ein Fachhändler, der irrt gewaltig. Die meisten der Angestellten sind angelernte Kräfte, weder kaufmännisch geschult, noch mit der ihr anvertrauten Ware fachkundig. „Geiz ist geil“ und „Wir hassen teuer“ zahlt sich halt für den Kunden nicht aus, irgendwo muss das Geld ja wieder reinkommen was man vorne herum so großmundig spendiert.

  4. Martin

    pibo, das ist schon krass was Du da formulierst. Kannst Du das belegen? Hast Du konkrete Zahlen? Frage an alle: Gibt es noch ähnliche Fälle? Bitte melden.

    Nur damit ich das richtig verstehe cicero:
    Du sagst, wenn ich in einem derartigen Fachgeschäft einkaufe – egal ob als Privat‑ oder als Geschäftskunde – muss ich beim Kauf eines Artikels damit rechnen, dass es sich um ein vormals beschädigtes und repariertes Produkt handelt, wobei nicht auszuschließen ist, dass noch weitere, nicht behobene Mängel vorhanden sind?

    Ich muss damit rechnen für einen dem Marktpreis ähnlichen Preis ein möglicherweise deutlich schlechteres Produkt zu bekommen? Das ist nicht nachvollziehbar, es sei denn, dieser Umstand wird dem Kunden vor dem Kauf mitgeteilt.

  5. cicero

    also das wäre ein bisschen weit übers Ziel hinaus geschossen! Mein Kommentar bezog sich da eher auf das Wort Fachmarkt und die Kompetenz der Angestellten, denen zum Großteil der Kunde an sich und die Zufriedenheit des selbigen relativ egal ist. Sowas ist in richtigen Fachmärkten, wie es sie leider nur noch selten gibt, meistens anders, die Händler sind da großteils ihre eigenen Chefs und somit an möglichst zufrieden Kunden interessiert, da die ja auch beim nächsten Mal wieder bei ihnen kaufen sollen.

    Damit rechnen, dass ein Teil defekt oder gebraucht ist muss bzw. darf man natürlich in keinem Laden, es sei denn es wird offensichtlich damit geworben (Vorführware etc.)

  6. pibo

    Ja hört sich Krass an, aber letztlich ist es oft so gelaufen das als „Neu+Original Verpackt“ deklarierte Artikel definitiv gebraucht waren.

    Ich schätze das Rückläufer von Privatkunden, gerne an Unternehmen weitergegeben werden (vielleicht ist das auch nur Zufall) – vor allem weil Unternehmen die Bestellungen oftmals dringend benötigen und daher eine Reklamation scheuen.

    Ob es von den Händlern „bewusst“ umgesetzt wird, oder ob es Zufall ist werde ich nicht beweisen können. Das sind alles nur Beobachtungen! Ich muss auch dazu sagen, das ich sehr genau hinsehe und bei Onlinebestellungen sehr kritisch geworden bin.

    Jedoch ist gebraucht – gebraucht und neu ist neu!
     – da muss man kein Verpackungs-Experte sein ;)

  7. Schnappi

    Das ist wirklich mal EXTREM nervig :(
    Das Rückgaberecht führt natürlich zu Problemen, aber richtig schlimm betroffen sind wohl eher die Internethändler. Ich frag mich wieviel gebrauchte Ware im Umlauf ist, wenn schon MM solche Nummern abziehen „muss“

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