Mittwoch

2.

Januar 2008

Die 10 häufigsten Kundenwünsche

Nachdem ich im Beitrag Machen Sie das Logo größer auf den starken Einfluss des Kunden auf das Gesamtergebnis einer Agenturleistung hingewiesen habe, kamen einige Vorschläge zu den „Top 10“ der Kundenwünsche von Eurer Seite. Hier kommt nun die aufgearbeitete Version, vermischt mit einigen meiner Erfahrungen.

1. Das Logo ist zu klein!

„Huch, mein/unser Unternehmen kommt zu kurz oder wird zu klein dargestellt.“
Das scheint wirklich der oberste Kundenwunsch zu sein. Ein kleines Logo lässt auch die Firma „klein“ wirken – so sehen das die meisten Kunden. Für ein zu klein geratenes Logo gibt es ästhetische und technische Gründe. Hinsichtlich der Ästhetik muss man sich als Gestalter fragen, ob man das Logo nicht unterbewusst runterskaliert hat, weil es einfach schäbig aussieht – man versucht es zu „verstecken“ und in ein aktuell wirkendes Layout zu „pressen“. In diesem Fall empfiehlt es sich das Logo zu vergrößern und das Layout darauf abzustimmen. Auf keinen Fall einfach vergrößern und abschicken, nach dem Motto „Gucken Sie mal wie schlimm das aussieht“ – das löst oft eine Trotzreaktion aus und man hat die Abnahme für den Griff ins Klo postwendend auf dem Tisch liegen… Wenn das Logo eigentlich ausreichend groß ist und der Kunde immer noch unzufrieden ist, hat man einfach einen Menschen mit einem anderen Sinn für Ästhetik vor sich – da hilft eigentlich nichts. Hier sollte jeder für sich selbst entscheiden wie er vorgeht. Ich bin immer ein Freund davon mit sinnvollen Argumenten – auf das jeweilige Medium bezogen – den Kunden vor einem Designschaden zu bewahren (“Wenn wir das Logo so groß machen, müssen wir das Menü erweitern, dadurch haben wir im Content-Bereich 50px weniger Platz und können die Vorschau auf Ihre Diagramme nur noch 380px groß machen.“).

2. „Da muss ich erst meine Frau/meinen Mann fragen.“

„Ich bin unsicher und Ihre Meinung reicht mir nicht.“
Diese Kandidaten sind entweder unsicher und brauchen die helfende Hand Ihres Partners – wie wahrscheinlich in jeder Lebenslage – oder suchen eine Möglichkeit sich Zeit zu verschaffen, um eine Nacht über die Sache zu schlafen und dann am nächsten Tag die gefestigte Meinung zu präsentieren. Dann bietet sich natürlich an, eine Ablehnung des Designs auf den Partner zu schieben („Meiner Frau hat das nicht gefallen. Können Sie das Logo größer machen?“).

3. „Wir haben/ich habe das in PowerPoint/Word mal entworfen. Bitte so.“

„Wir kennen die Anforderungen an das Layout. Sie machen das nur schöner!“
Das ist ein ganz undankbarer Fall für beide Seiten. Der Kunde investiert viel Arbeit in ein Layout und macht sich Gedanken über die Platzierung der Informationen. Der Gestalter setzt diesen – meist total verkorksten und unsinnigen – Vorschlag um, und ist gezwungen einen weiteren, sinnvollen Vorschlag zu gestalten, der das Projekt letztendlich rettet. Setzt man den Kundenwunsch nicht um, gibt es Ärger. Diskutiert man im Vorfeld, ärgert sich der Kunde über den frechen Designer, der seine Leistung anzweifelt. Eine echte Zwickmühle.

4. „Deadline ist Morgen, 15:00 Uhr… – Hallo?! Sind Sie noch dran?“

„Wir haben das letzte halbe Jahr geschlafen – Sie müssen uns helfen.“
Kommt immer wieder vor. Ein ganz nachvollziehbarer Fall, denn fast überall werden wichtige Entscheidungen zu lange hinausgezögert. Manchmal haben Verantwortliche auch schlicht und einfach ein Detail vergessen, wie etwa eine Messe-Show für den zweiten Monitor auf dem Messestand oder eine CD-ROM als Give-away. Das sind eigentlich die Fälle, bei denen man sich noch fühlen darf wie MacGyver und in wenigen Nachtschichten Großes „zaubern“ kann. Ich bin immer wieder erstaunt über den Output solcher Aktionen.

5. Zu viele Informationen/Text für das Medium – Thema Whitespace

„Inhalte verknappen ist doch nix – epische Breite rules…“
Viele Entscheider können Inhalte nicht verknappen. Wenn gescheite Texter oder Erfahrungswerte fehlen ist es sehr schwierig die Kernaussagen auf das Wesentliche zu reduzieren. Da muss die Agentur schnell für eine ordentliche Lösung sorgen, meine ich – Texter anrufen, Gegenvorschlag anfertigen, präsentieren. Done. Wenn der Kunde dann immer noch beratungsresistent auf dem Roman im Anzeigenblatt beharrt – machen.

6. Lassen Sie es aussehen wie …

„Der Firma XY geht es gut. Knüpfen wir an dieses Erfolgskonzept werblicher Evolution an.“
Inspiration: Ja. Abkupfern: Nein. Diese klare Position finde ich extrem wichtig. Man sollte dem Kunden aber auch vermitteln können, dass es durchaus sinnvoll sein kann – ja sogar essentiell ist – sich innerhalb einer Branche von der Konkurrenz klar abzuheben. „Und wenn alle Ihre Konkurrenten von der Brücke springen … springen Sie dann auch?“ – „Nee, dann verkoof ick allet und fahr‘ of die Bahamas.“

7. Wir kaufen keine Schriftart. Nehmen Sie einfach die Arial (ComicSans, Verdana, Tahoma).

„Dafür haben wir kein Geld. Liefern Sie uns Lösungen, keine Probleme.“
Es kann durchaus Sinn machen gemeinsame Nenner zu finden und darauf ein Corporate Design aufzubauen – gerade bei kleinen Unternehmen, die im Guerilla-Stil über den Globus verteilt sind. Auch ich habe die Arial in einem Styleguide eingesetzt – zwar nur als Fallback von der Helvetica Neue – trotzdem fester Bestandteil, gerade in PowerPoint-Präsentationen, etc.. Und nein, ich bereue nichts. ;)

8. Wir möchten alle Inhalte selbst einpflegen!

„Mein Neffe ist da pfiffig.“
Das wird in jedem CMS besonders dann lustig, wenn auch noch auf die entsprechende Schulung verzichtet wird. Was der unsachgemäße Einsatz des RichTextEditors verursachen kann ist dann nichts im Vergleich zu einem Kunden der Admin spielt und die Hintergrundfarbe von #ffcc00 auf #fcff00 ändert …

9. Bitte mehr Farbe. Bitte diese Farbe.

„Meinen Sie das etwa ernst mit den Schwarzweiß-Bildern?“
Auch immer wieder gerne: Farbvorschläge. Hatte ich so schon mal mit einer Kundin. „Bitte Rot. Bitte mehr Rot.“ – am Ende: „Das ist mir zu Rot. Warum haben Sie das so Rot gemacht.“. Ich bin trotzdem der Meinung, dass man auf den Wunsch zu „mehr Farbe“ immer eingehen sollte.

10. Vom Styleguide abweichen.

„Das Logo bitte links unten wie im Styleguide“ – Der Styleguide sagt aber: rechts oben. – „Ihnen fällt da schon was ein.“
Ob man von Design Guidelines abweicht, sollte man immer im Einzelfall entscheiden. Manche Kunden geben nichts auf Corporate Design – der Zweck heiligt die Mittel. Von dieser Kundengruppe wird erfahrungsgemäß auch gerne mal das rotierende @-Zeichen angefragt. ;)

Ich freue mich auf weitere Anregungen zum Thema und Ich wünsche Euch allen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2008!

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32 Kommentare zu „Die 10 häufigsten Kundenwünsche“

  1. kopfkribbeln

    Geil! Du schreibst mir aus der Seele! Wirklich sehr gut! :grin:

  2. Oliver

    Die Realität will einem oft genug in die schön gestaltete Suppe spucken. Ich glaube es hängt aber einfach damit zusammen, wie sehr sich der Kunde bei einem gut verstanden und betreut fühlt. Wenn erst einmal ein solches Vertrauen aufgebaut ist, dann konnte ich bisher einiges von Kundenseite aus einsichtig lösen und rüberbringen. Als Grafik-Designer muss man eben auch zu einem gewissen Teil seine Kunden visuell sensibilisieren und erziehen. Wir sind ja nicht nur die Erfüllungsgehilfen, sondern auch Berater. Und für die guten Idee muss man wohl immer kämpfe :-)

  3. pushkin

    Hallo, einfach genial geschrieben. 8 von diesen Fällen haben wir allein im letzten halben Jahr genau so erlebt. Renner bei uns war auch noch, das ein einzelner Zwischenschritt in der Gestaltung von einer anderen Agentur übernommen wurde und wir nach diesem Schritt weiter machen mussten. :roll:

    weiter so…!

  4. Andi

    Passend zum Thema: „Make my Logo bigger“-Cream

  5. Electra

    Ein Problem was mir haeufig vorkommt hat mit Bildaesthetik zu tun. Sag aus 30 Bildern sucht du 5 fuer dein Layout aus – alles passt und fliesst. Nur dann kommen 5 Aenderungen vom Kunden mit schlechten Photos – ohne eine andere Wahl.

    Oft verlieben sich die Designer aber auch viel zu sehr in ihr Endprodukt. Und wenn es dann dem Kunden nicht gefaellt kommt es zu Spannungen und Frustration. Cool bleiben – der Kunde ist nicht dein Feind, sondern er ist dein Spielkamerad, der die Rechnung fuer den Spass uebernimmt… :wink:

  6. Martin

    Das Zusammenspiel von Kunde und Agentur ist sicherlich ein Thema, bei dem immer ähnlich Probleme auftreten. In der Mehrheit aller Angelegenheiten gibt es erfahrungsgemäß kaum/keinen nennenswerten Stoff für Diskussionen. Treten aber Probleme auf, so sind es meist die oben Genannten.

    Oliver: Wir sind ja nicht nur die Erfüllungsgehilfen, sondern auch Berater. Und für die guten Idee muss man wohl immer kämpfen.

    „Kämpfen“ ist da zu hart ausgedrückt. Ich verstehe uns ebenfalls als Berater, aber auch als Dienstleister. Wenn wir Maler wären und der Kunde auf mintgrünen Vorzimmerwänden besteht, dann hat man keine Wahl. ;)

    Electra: Oft verlieben sich die Designer aber auch viel zu sehr in ihr Endprodukt. […] der Kunde ist nicht dein Feind […].

    So ist es. Man kann als Designer nur immer hoffen, dass die Agenturleistung durch allzu unfromme Kundenwünsche nicht vollkommen verwässert wird. Mit dem Endergebnis müssen schließlich beide Seiten leben können.

  7. ajl

    Sehr schön! Voll aus dem LEBEN. Ich hatte irgendwann auch schon mal den schönen Fall. „Das hier ist das Logo. Das hat meine Tochter gemacht… im Kunstkurs.“ Wohlgemerkt auf dem Gymnasium.

  8. Thomas

    Hallo,

    Ihr schreibt mir direkt von der Seele. 7 Punkte sind im letzten Jahr genau so in unserer Agentur vorgekommen. Im Moment lache ich, weil Ihr es echt lustig geschrieben habt… aber eigentlich ist es zum Heulen.

    Cheers!

  9. Christian Becher

    Kennt wer das Bild: Kunde mit Lineal vor dem CRT-Monitor…? Ich sage nur putzig!

    :smile:

  10. t. hagedorn

    abweichung vom styleguide

    gerne werden viele styleguides zu umfangreich (bis zum klingelschild) definiert aber ohne die medien einmal unter realbedingungen (miese bilder, lange headlines, logo auf bild usw….) zu testen. schon sind die ersten abweichungen nötig…

    besser scheint mir, zunächst einen kompakten basic-design-guide zu erstellen und nach den ersprechenden erfahrungen unter echten bedingungen umfangreichere medien zu definieren und zu ergänzen…

    gruss th

  11. Dennis

    Herrlich. Hab mich prächtig amüsiert :)

  12. t-lo

    genau so. ^^

  13. Achim M.

    Also vor allem die Punkte 1 bis 3 sind sehr treffend. Obwohl ich das schon seit Jahren mache, ist es manchmal wirklich frustrierend.

    Anderseits habe ich es auch schon erlebt, dass Kunden Vorschläge gemacht haben, die mir zunächst absolut abwegig vorkamen und sich dann doch als durchaus gelungen erwiesen. Zuweilen sitzt man als Designer eben auch in einem kreativen Tunnel und benötigt mal Input von außen.

    Die Kunst besteht in der richtigen Bewertung von Kundenkritik (bitte nie etwas persönlich nehmen) und in der Veredelung roher Kundenwünsche.

    Gruß

    Achim

  14. Martin

    Ja, das ist auch in meinen Augen die goldrichtige Einstellung! Siehe. ;)

  15. Rainer

    sehr gelungen!

  16. claire

    Netter Beitrag. „Meinen Sie das etwa ernst mit den Schwarzweiß-Bildern?“. Ich würde als Grafiker ja komplett ausflippen.

  17. Michael

    2. „Da muss ich erst meine Frau/meinen Mann fragen.“

    Fällt aber manchmal mit dem Hausfrauentest zusammen. „Kuck ma, Du bist unbeteiligt, was sieht in Deinen Augen besser aus?“

    @Christian Becher: „Kennt wer das Bild: Kunde mit Lineal vor dem CRT-Monitor…? Ich sage nur putzig!“

    Wieso Bild? Habe ich auch schon erlebt. Wir haben uns dann drauf geeinigt den Screen erstmal auszudrucken. :wink:

  18. Fate

    Oh ja kennt jeder glaube ich

  19. Markus

    Darüber zu lesen ist amüsant. Selber damit konfrontiert zu werden weniger. :roll:

  20. David

    ya, sehr schön! :D

  21. Dennis

    Ich finde die Kundenwünsche sehr lustig zu lesen. Ich denke, wenn man so etwas liest kann man sich darüber amüsieren, aber wenn man jeden Tag mit solchen Leuten konfrontiert wird, dann nervt das. Der Kunde ist König, missbraucht dieses Recht aber oft.

  22. daniel

    Endlich spricht es jemand aus.

  23. stefano picco

    hmm … lebt dieser blog noch? :> gebt doch mal ein lebenszeichen bitte :)

  24. Martin

    Lebenszeichen. :)

    Weblog ruht, dank neuer beruflicher Herausforderungen…

  25. Roland

    Köstlich… und sehr, sehr realitätsgetreu. Wir haben fast nur Kunden aus dem Mittelstand, da kommen die von Dir beschriebenen Fälle fast täglich vor. :-)

  26. Lina

    „„Kämpfen“ ist da zu hart ausgedrückt. Ich verstehe uns ebenfalls als Berater, aber auch als Dienstleister. Wenn wir Maler wären und der Kunde auf mintgrünen Vorzimmerwänden besteht, dann hat man keine Wahl.“

    Das Problem ist nur der Maler kann seine Rechnung stellen und sagen: nach mir die Sintflut. Als Webdesigner musst Du erst alles Mühevoll umsetzten und dreimal verbessern nur um am Ende Recht zu behalten und es nicht mal in Rechnung stellen zu können: „Denn Du warst ja Schuld“.

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