In der letzten Zeit höre ich in Agenturen, Druckereien und der restlichen Medienbranche nur noch ein Thema: Adobe hat in Europa höhere Preise als in den USA. Hierzulande zahlt man fast das Doppelte für die Adobe Creative Suite CS3! Ein Umstand, der den meisten Kollegen schwer zu schaffen macht. Da ich eigentlich Pro-Adobe bin, möchte ich diese Story nutzen, um doch mal wieder einen Beitrag (trotz Zeitmangel) zu verfassen – denn das Thema CS3 brennt in deutschen Agenturhütten. Und zwar lichterloh!

Art-Direktoren brüllen auf Agenturbalkonen und verschütten wild gestikulierend Kaffee, gestandene Geschäftsführer nutzen Kontakte in den USA, um sich mit englischen CS3-Versionen einzudecken (die Preisdifferenz für die Master Collection betrug heute bei amazon.com/.de stolze 1.795,81 Euro), Praktikanten tippen Übersetzungen der Photoshop-Menüs und kopieren diese für alle Mitarbeiter. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind stinksauer auf Adobe. Ich erfahre in allen Medien‑ und Werbeagenturen gerade einen Wind gegen Adobe, den sich die Firma selbst sicher nicht vorstellen kann! Adobe hat in Europa das Gesicht verloren, möchte man meinen. In den letzten zwei Wochen, habe ich fast täglich Gespräche zum Thema geführt und mich letzten Endes überzeugen lassen, dass es kaum Argumente für eine derart drastische Preiserhöhung geben kann. Was den Agenturen mit zu geringer Kaufkraft widerfährt zwingt zu Erfindungsreichtum.
Adobe fällt zur Preisdifferenz leider nur so viel ein: „Die lokalisierten Preise reflektieren eine ganze Reihe von Gegebenheiten, die über die reine Lokalisierung hinausgehen. Neben den Kosten für die Übersetzung werden zusätzliche und rein lokal bezogene Ressourcen benötigt, beispielsweise für den Support in der jeweiligen Landessprache sowie für die komplette lokale Infrastruktur für Vertrieb und Kundenunterstützung.“
Das ist leicht gesagt, nur fallen in den USA sicherlich ähnliche Kosten an, um die Kundenunterstützung zu garantieren – so viel mehr sollte das Ausland nicht kosten oder man handelt als Konzern unwirtschaftlich. Das Thema „Preiserreichbarkeit“ könnte viel eher ein Thema sein und der rasche Ausgleich der 3,4 Mrd. Dollar aus dem Kauf von Macromedia. Nicht, dass ich kein Einsehen habe, dass man versucht den höchstmöglichen Preis zu erzielen – Thema Gewinnmaximierung (kennen wir schon von der Firma Apple) – aber 200 % mehr sind doch selbst für hartgesottene Verfechter der Marke Adobe (mich inbegriffen – treu seit 1994) etwas zu viel im Vergleich.
Unglaublich aber wahr: Längst tot geglaubte Softwareprodukte anderer Hersteller erleben zurzeit einen unheimlichen Aufschwung. Jetzt muss man in Agenturkreisen nicht nur Adobe-Software kaufen, sondern auch noch sämtliche Mitbewerber im Hause haben, denn Daten kommen künftig (noch mehr als ohnehin schon) in den unterschiedlichsten Formaten.
Momentan muss man bei vielen Kostenvoranschlägen die Budgets ohnehin zurückdrehen – da ist kaum noch Platz für ausgefallene Ideen. Und die Basis-Ausstattung Hard‑ und Software für einen Arbeitsplatz ist auch ohne Adobe schon teuer genug. „Typisch Deutsch: Immer jammern…“, hab ich mal gesagt. Inzwischen denke ich genau so. Ich störe mich nicht grundsätzlich daran, dass mit einer neuen Version auch neue Preise kommen und akzeptiere auch die leicht höheren Preise in Europa. Den aktuellen Aufschlag finde ich allerdings mehr als beanstandbar.
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass ein solcher Preisunterschied kaum realistisch sein kann. Die meisten von mir gefragten Entscheider in Agenturen kaufen nur wenige Lizenzen der neuen CS3 und bauen auf die durchgehende Versorgung mit älteren Versionen unter Windows XP – unter Vista läuft die CS2 bekanntermaßen ja nicht wirklich. Adobe dürfte das finanziell kaum auffallen. Der Imageschaden des Unternehmens stellt sich aus meiner Sicht allerdings als katastrophal dar!
Ich selbst verzichte aus zwei Gründen auf den Kauf einer CS3-Suite: Zum Einen halte ich die Suites im internationalen Vergleich für überteuert und möchte mit anderen Agenturen zusammen ein Zeichen setzen. Zum anderen komme ich mit CS2 gut klar, erhalte nahezu alle Daten in CS2-Formaten und kann beim eigenen Rechner auf Vista hoffentlich noch lange verzichten. Trotzdem werde ich – wie viele Andere vor mir – letzten Endes die teure Software kaufen. Es gibt für mich keine Alternative.
Schade, dass diese Petition noch keinen Ruck durch die Adobe-Spitze hat fahren lassen.
Vielleicht wacht ja mal irgendwann jemand auf, wenn wir das Thema etwas größer in den Blogs aufgreifen. Macht Meinung! Das Thema sollte öffentlicher diskutiert werden, nicht nur auf der Agenturterrasse!
Ein schlauer Mann hat mir mal gesagt:
„Auf dem Boden hocken – kalter A… .“
In diesem Sinne.
Nachgetragen
- Gerade erfahre ich von Peter, mit dem ich mich in den letzten Tagen öfters zum Thema unterhalten habe, dass die RAW-Daten der Canon EOS 1D Mark Ⅲ den Camera RAW Converter der CS3 benötigen. Kein Update für die CS2? – dabei unterstützen bereits kostenlose Programme wie IrfanView das Format…
- Ja, die Abzocke?-Karikatur oben im Beitrag darf jedermann mit Hinweis auf den Beitrag verwenden – in jeder Form.
Hier sind die Vektordaten.
- Dieser Artikel soll das Image von Adobe in keiner Weise schädigen. Ich halte hohe Stücke auf die Software und kann ohne sie nicht leben. Es geht mir lediglich darum, das Thema „Höhere Preise für Software in Europa“ ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Im Falle der Creative Suite 3 sind die Kosten erschreckend hoch im Vergleich zur US-Version. Es bilde sich jeder selbst ein Urteil – Links finden sich weiter unten.
Ein paar Zitate
„Das ist ja mal der absolute Hammer. Wie will Adobe denn die Deutsche Software unter die Leute bringen wenn man sich so Hintergangen fühlt. […] Meiner Meinung nach ist das eine Frechheit von Adobe.“ (Andreas)
„Bedeutet das jetzt, dass es für mich billiger währe einen Flug nach Amerika zu nehmen und die Version dort zu kaufen, als sie am heimischen Markt zu erstehen?“ (Nicolas)
Ich finde die Preispolitik reichlich unverschämt. Das läuft in allen Bereichen […] gleichermaßen ab. Sei es Software, Hardware, vom Wasserkocher übers Auto bis hin zur Spielkonsole. […] Europa wird halt ausgeblutet, weil es ja angeblich mehr Geld hat… […] Ich kaufe mir, wenn überhaupt die US-Version […] (hardy)
Viele von uns haben Adobe zum Quasi-Monopolisten im professionellen Bereich gemacht und jetzt gibt es langsam aber sicher die Quittung dafür. […] Und, ja, seit X3 arbeite ich hauptsächlich mit Produkten von Corel. (A.P.)
Weiterführende Links
Internationaler Preisvergleich der CS3
Warum laut Adobe die CS3 in Europa teurer ist
Aramex Shop & Ship. Produkte in Amerika kaufen und nach Hause schicken lassen.
Adobe CS3: In Europa doppelt so teuer
Adobe verärgert europäische Kunden mit hohen Preisen für CS3
Auswandern?
Diskussion im Fontblog
Gute Diskussion bei Ulf Theis
Kaufkraft schwach?
Schnäppchen…
0
Kommentare